Lebertran – Natürliche Nahrungsergänzung mit langer Tradition

„Das Greisenalter ist eine zweite Kindheit minus Lebertran“ (Mark Twain)

Das gelbliche Fischöl mit ranzigem Geschmack ist beinahe im Nebel der Vergangenheit verschwunden und einige von uns erinnern sich nur noch wage an den Geschmacksalptraum aus der Kindheit. Doch was ist Lebertran eigentlich und lohnt sich eine Flasche für Zuhause?

 

Was ist Lebertran? 

Das gelbliche Fischöl wird durch Erwärmen und Pressen hergestellt. Für die Herstellung wird die frische Leber von Kabeljau, Dorsch und Schellfisch verwendet. Es ist meist etwas dünnflüssiger und ein Abenteuer für Geruchs- und Geschmacksnerven. Lebertran besitzt keine Verbindung zu dem aus Walen und Robben gewonnenen Tran, der für die Herstellung von Lampenöl benötigt wird. Lebertran setzt sich aus leicht verdaulichem Fett zusammen, welches aus verschiedenen Fettsäuren besteht. Darüber hinaus weist Lebertran einen hohen Gehalt an Vitamin A, D und E auf und enthält auch Jod und Phosphor.

Geschichte

Die Geschichte bezeichnet Lebertran als ein Jahrtausende altes Volksheilmittel und manche Quellen datieren die Verwendung von Lebertran bis in die Antike zurück. In nordischen Ländern wie Norwegen, Schweden und Lappland wurde Lebertran schon sehr früh als Stärkungsmittel betrachtet und als solches genutzt. In Mitteleuropa benutze man das Fischöl für die Behandlung von Infektionen und Entzündungen.

Im Verlauf der Geschichte fand Lebertran seinen Weg in verschiedene Anwendungsbereiche der Medizin. Ende des 18. Jahrhunderts empfahl der englische Arzt Thomas Percival die Anwendung von Lebertran bei rheumatischen Erkrankungen. Anfang des 19. Jahrhunderts erkannten auch deutsche Wissenschaftler und Mediziner die gesundheitlichen Vorteile des Fischöls und im Zuge der Vitaminforschung deklarierten Ärzte und Wissenschaftler Lebertran zu einem Naturheilmittel für so manche Krankheit. Zu jener Zeit stellte man auch einen Zusammenhang zwischen Rachitis, Vitamin-D und Lebertran her.

Bis in die 1960er wurde Kindern die tägliche Einnahme von Lebertran verschrieben. Dies diente der Prävention von Kinderkrankheiten, sollte Mangelerscheinungen entgegenwirken und Rachitis behandeln. In der Vergangenheit wurde Lebertran daher als Notwendigkeit einer Lebens- und Körperreform erachtet. Rachitis ist eine aufgrund von Vitamin-D-Mangel auftretende Erkrankung des wachsenden Knochens und war in der Vergangenheit verhältnismäßig weit verbreitet. Und da noch keine synthetischen Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt verfügbar waren, stellte Lebertran die natürliche Quelle des wichtigen Vitamins dar und Kinder bekamen über Jahre hinweg die tägliche Dosis von ihren Eltern verabreicht.

Die Gesundheitsreform und das wachsende Interesse an Vitaminen und deren positiven Eigenschaften führten in manchen Fällen aber zu einem übermäßigen Konsum an Lebertran und Forscher fanden heraus, dass dieser übermäßige Konsum gesundheitliche Schäden verursachen kann. Im Gegensatz zu wasserlöslichen Vitaminen (Vitamin B und Vitamin C), die bei Überdosierung wieder ausgeschieden werden, können die fettlösliche Vitamine A und D gespeichert und angehäuft werden. Die Anhäufung fettlöslicher Vitamine kann zu einer gefährlichen Hypervitaminose führen.

Inhaltsstoffe

Wird die empfohlene Einnahmemenge nicht überschritten, dann weist Lebertran jedoch eine gesundheitsfördernde Wirkung auf. Er besitzt zahlreiche Vitamine und Inhaltsstoffe, die den menschlichen Körper stärken. Der Anteil an Vitamin D und Vitamin A sind besonders hoch. Vitamin D ist ein wertvoller Baustein des Lebens, der vom menschlichen Körper nicht selbst hergestellt werden kann. Das Vitamin kann nur über das Sonnenlicht und über die Nahrung zugeführt werden. Bei Vitamin A handelt es sich ebenfalls um ein fettlösliches Vitamin, das auch Retinol genannt wird. Dieses Vitamin kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor und ist für das Wachstum und die Neubildung von Zellen notwendig.

Zu den weiteren Bestandteilen von Lebertran zählen; Vitamin E, Omega-3-Fettsäuren, Jod und Phosphor. Vitamin E besitzt einige positive Eigenschaften und wird vor allem in Zusammenhang mit seiner antioxidative Wirkung genannt. Antioxidantien sind Substanzen, die unseren Körper vor freien radikalen schützen. Es hilft die Alterung der Haut zu verlangsamen und fördert die Gesundheit der Haare. Die Omega-3-Fettsäuren besitzen eine positive Wirkung auf die Fließeigenschaften des Blutes und wirken entzündungshemmend. Darüber hinaus können Omega-3-Fettsäuren den Cholesterinspiegel senken und Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine Einnahme von 250 mg Omega-3-Fettsäuren. Jod und Phosphor sind Mineralstoffe, die für verschiedene Prozesse im menschlichen Körper verantwortlich sind. Die Hauptaufgabe von Jod ist die Produktion des Schilddrüsenhormons. Dieses Hormon wird in vielen Zellen, Gewebestrukturen und Organen für die Ankurbelung und Aufrechterhaltung des Stoffwechsels benötigt. Phosphor wird über die Nahrung als Phosphat aufgenommen und sorgt zusammen mit Kalzium für die Gesundheit der Knochen und Zähne. Phosphate besitzen wichtige Funktionen im Stoffwechsel und helfen dem Körper bei dem Aufbau von Zellwänden.

Fazit

In der Vergangenheit wurde Lebertran als natürliches Heilmittel für verschiedene Krankheiten und Mangelerscheinungen angesehen. Mit der Zeit und dem Einzug von Omega-3 Kapseln, Vitamin-D Pillen und anderen synthetisch hergestellten Nahrungsergänzungsmitteln geriet Lebertran in Vergessenheit und das einzige was uns in den Köpfen geblieben ist, ist der unangenehme Geschmack-was sehr schade ist. Im Gegensatz zu herkömmlichen Fischölprodukten enthält Lebertran nicht nur die Omega-3-Fettsäuren, sondern weist einen höheren Anteil an den lebenswichtigen Vitaminen D, A und E und den Mineralstoffen Jod und Phosphor auf. Diese zusätzlichen Inhaltsstoffe und die Natürlichkeit des Lebertrans machen ihn deswegen zu einer interessanten Alternative zu geläufigen Fischölprodukten. Es gilt jedoch auch hier zu beachten, dass auf Ursprung und Herstellung geachtet werden sollte. Es ist ratsam seinen Arzt oder Heilpraktiker zu konsultieren.

 

 

 

 

Anmerkung des Autors:

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Quellen:

https://www.lebertran-info.de/

https://lebertranwissen.de/

https://www.dge.de/presse/pm/regelmaessig-fisch-auf-den-tisch/

Eschenbruch, N., et al., 2009; Arzeimittel des 20. Jahrhunderts, Bielefeld; transcript Verlag