Heilpilze und ihre Wirkung

Heilpilze und ihre Wirkung

Pilze sind eine sonderbare Lebensform. Sie ploppen teilweise über Nacht einfach auf, sind nicht grün und Mario wächst mit Hilfe von ihnen. Pilze haben keine Blätter, keine Wurzeln, bilden keine Blüten, Früchte oder Samen. Aus evolutionärer Sicht sind Pilze jedoch näher an uns Menschen als Pflanzen.

 

Pilze – Was sind sie?

Seit mehreren tausend Jahren sind Heilpilze (oder Vitalpilze) ein fester Bestandteil traditioneller Medizin und der menschlichen Ernährung. In den letzten Jahren hat auch die Schulmedizin ihre Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Inhaltsstoffe der Heilpilze gerichtet. Immer mehr Studien belegen die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Pilze und somit wächst das Interesse. Heilpilze greifen regulierend in alle im Körper ablaufende Vorgänge ein und helfen dem Organismus zurück zu seinem Gleichgewicht.

Pilze (Fungi) werden als eukaryotische Lebensformen bezeichnet. Eukaryoten sind Lebewesen mit Zellkern. In der Einteilung der Lebewesen bilden die Eukaryoten neben den Bakterien und den Archaeen eine eigene Domäne. Die Gruppe der Eukaryoten beinhaltet unter anderem; Einzeller, Algen, Pflanzen, Pilze, Tiere und Menschen. Pilze besitzen kein Chlorophyll oder andere Fotosynthesepigmente. Dies bedeutet, dass Pilze ihre Energie nicht aus Sonnenlicht gewinnen, sondern auf eine andere Form der Energieumwandlung angewiesen sind. Pilze sind auf organische Nährstoffe angewiesen. Mit Hilfe von Enzymen zerlegen Pilze Nahrung auf Molekülgröße. Diese gelösten Stoffe werden dann als Nahrung verwendet.

Ihre besondere Stellung als eigene Lebensform macht sie unerlässlich für unsere Umwelt und uns selbst. In den natürlichen Prozessen der Natur übernehmen Pilze die Abfallbeseitigung und dienen der Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit durch Verarbeitung abgestorbener Pflanzenteile und Verdauungsrückstände zu Humus sowie Freisetzung von Mineralstoffen.

Pilze sind aber nicht nur für die Natur von großer Bedeutung, sondern auch für uns Menschen. Es kann davon ausgegangen werden, dass gewisse Abwehrmechanismen von Pilzen auch für das menschliche Abwehrsystem von Nutzen sind. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind Pilze fester Bestandteil und auch die alten Ägypter glaubten, dass Pilze ein Schlüssel für langes Leben sind. Die moderne Wissenschaft erkennt die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Pilzen auch immer mehr und in vielen Onlineshops gibt es bereits eine breite Auswahl an Pilzprodukten.

Grundsätzlich besitzen beinahe alle Pilze Spurenelemente und Mineralstoffe, wie Kalium. Magnesium und Eisen. In ihren Zellwänden befinden sich Ballaststoffe mit besonderer Wirkung – Beta-Glucane. Beta-Glucane können den Blutzucker regulieren, das Sättigungsgefühl verbessern, die Darmgesundheit positiv beeinflussen, das Immunsystem stärken und den Cholesterinspiegel senken. In diesem Artikel möchten wir einige der bekanntesten Heilpilze vorstellen und kurz auf ihre positiven Eigenschaften eingehen.

 

REISHI

Reishi (Ganoderma Lucidum) ist vermutlich der bekannteste und meist geschätzte Heilpilz. Er wird in der fernöstlichen Medizin bereits seit tausenden von Jahren verwendet, um das Wohlbefinden und die Lebenserwartung zu steigern. Auch heute noch gilt Reishi als „Supermedizin“. Aus dem japanischen übersetzt bedeutet Reishi soviel wie „wundersam“, „übernatürlich“ oder „Pilz der Unsterblichkeit“. In früheren Zeiten war der Pilz beinahe ausschließlich dem Adel vorenthalten, da die Kultivierung und Verarbeitung schwierig und kostspielig waren. Seit der Hälfte des letzten Jahrhunderts gab es erhebliche Fortschritte in Bezug auf die Kultivierung des Pilzes. Dies hat dazu geführt, dass der Pilz für die breite Masse zugänglich wurde und heutzutage einer der meist untersuchten Vitalpilze ist.

Reishi wurde traditionell dazu verwendet das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern und das Immunsystem zu stärken. In wissenschaftlichen Studien wurde bestätigt, dass die traditionelle Medizin in ihren Annahmen recht hatte. Der Pilz trägt zur Stärkung des Immunsystems bei, besitzt eine antioxidative Wirkung und wirkt entzündungshemmend. Des weitern zeigen Studien, dass der Pilz unser neuronales System schützen kann und die Gesundheit von Leber und Nieren verbessert. Es konnten bis jetzt ca. 400 biologisch aktive Verbindungen identifiziert werden. Die breite Palette an Verbindungen enthält u. a. Polysaccharide, Terpene, Steroide, Proteine und Peptidoglycane.

Die größte Rolle spielt hier die Gruppe der Polysaccharide. Sie stellen ca. 200 der 400 gefundenen Verbindungen dar. Sie bilden zusammen mit Eiweiß- und Fettmolekühlen die äußerste Schicht der Zellen. Dort übernehmen sie die Kommunikation zwischen Zellen und dem körpereigenen Immunsystem. Nähern sich dann Bakterien oder Viren mit körperfremden Polysacchariden wird der Alarm ausgelöst und das Immunsystem wird angeregt.

 

CHAGA

Das russische Pendant zum asiatischen Reishi. Dieser Pilz (Chaga = Inonotus obliguus) stammt aus den Wäldern nahe dem nördlichen Wendekreis und ist ein Holzparasit, der hauptsächlich auf den Stämmen alter Birken gedeiht. Durch das verwachsen mit dem Baum kann der Pilz dem Baum Nährstoffe entziehen. Und diese Nährstoffe verleihen dem Pilz seine heilenden Kräfte. Sibirische Schamanen nannten den Chaga einst „König der Heilpilze“. Der Pilz weist nicht nur eine herausragende Kombination an Nährstoffen auf, sondern punktet durch die Bioverfügbarkeit seiner Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe.

Darüber hinaus weist der Chaga einen außergewöhnlichen ORAC-Wert auf. ORAC steht für Oxygen Radical Absorbance Capacity und gibt die Kapazität einer Pflanze oder Frucht wieder, schädliche Sauerstoffradikale im menschlichen Körper abfangen zu können. Diese Eigenschaft wird auch als antioxidative Eigenschaft bezeichnet. Einige Forscher gehen davon aus, dass der Chaga das stärkste Antioxidans ist, das heute bekannt ist. Der Pilz ist ebenfalls reich an sekundären Pflanzenstoffen, Betulinsäure und auch an Polysachariden. Nach anerkannter Studienlage hilft er bei; Erkrankungen des Verdauungssystems, Entzündeungen (innen und außen) und Abwehrschwäche. Zudem wird ihm eine leberstärkende Eigenschaft nachgesagt.

 

IGELSTACHELBART (Lions’s Mane)

Der Igelstachelbart (Hericium erinaceus) hat eine beeindruckende Optik und sieht einer Löwenmähne ähnlich. Es stammt ebenfalls aus dem ost-asiatischen Raum und findet Anwendung in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Er ist sehr selten und wächst nur in sehr alten Wäldern, von denen es leider immer weniger gibt. Wie auch der Reishi, war der Lion’s Mane lange Zeit nur dem Adel zugänglich. Der Pilz ist reich an Protein und wirkt sich positiv auf unsere Verdauungsorgane und das Nervensystem aus. Er ist auch unter Feinschmeckern sehr beliebt. Seine Eigenschaften als Vitalpilz gelten als wirksam gegen Geschwüre von Magen und chronische Magenschleimhautentzündungen. Zu den Inhaltsstoffen zählen die essenzielen Aminosäuren, Eisen und Magnesium.

Da der Heilpilz beides kann, die Maganschleimhaut aufbauen und schützen – ist er in der TCM ein Mittel zur Hemmung von Entzündungen und auch zur Heilung von Gastritis. Laborstudien zeigen, dass der Pilz eine hohe Wirksamkeit gegen das Bakterium Helicobacter Pylori (Verantwortlich für Infektionen der Magenschleimhaut) besitzt. Weiter konnten immunstimulierende und krebshemmende Effekte nachgewiesen werden.

Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit sind weitere Anwendungsbereiche, in denen der Pilz zum Einsatz kommt. Die Hericium-Wirkstoffe, die für die anregende Wirkung verantwortlich sind, besitzen eine vielversprechende Wirkung auf Nervenzellen und Gehirnzellen. Studien belegen, dass diese Wirkstoffe das Wachstum und die Regeneration von Nerven- und Gehirnzellen anregen. Diese Eigenschaft ist für die Wissenschaft besonders interessant, da sie gegen die Schadproteine bei Morbus Alzheimer eingesetzt werden können. In Patientenstudien konnte eine verbesserte Wahrnehmung festgestellt werden.

Der kurze Ausflug in die Gefilde der Heil- und Vitalpilze zeigt, dass hier sehr viel Potential verborgen liegt. Ein Potential, das bereits seit Jahrhunderten von Ärzten, Schamanen und Heilern angezapft wird, um verschiedene Erkrankungen zu heilen.

 

Quelle:

 

Döll, M., 2012: Vitalpilze für ein gesundes Leben: Immunstärkend – Stoffwechselanregend – Entgiftend, Herbig, Frankfurt

Pohleven, J., et al, 2016: Medical Mushrooms, MycoMedica, Podkoren (Slovenien)

Willms-Beyárd, H., 2017: Chaga-König der Heilpilze. In: Natur und Heilen 2017, Nr.9, S. 32-37