Die Kettlebell (Teil II)

Kettlebell (Teil II)

“Every person can become two to three times stronger and heavy kettlebells are one of the most powerful means to make a man stronger.” (Ivan Lebedev, russischer Strongman)

Fokus, Beständigkeit und Disziplin machen aus einem Sportler einen Athleten. Die Hände voller Schwielen und Chalk, ist sein Blick auf die eiserne Kugel gerichtet. Jeder Atemzug schärft die Sinne, jeder Schweißtropfen führt ihn näher an sein Selbst. Kettlebellsport ist nicht nur irgendein neuer Fitnesstrend, sondern ein Lebensgefühl. Manche Anhänger des Sports vergleichen das Training mit der Kettlebell mit einem mittelalterlichen Schwertkampf, der den Kriegerinstinkt in einem weckt. Sie geben Ihren Kugeln Namen, bemalen sie mit Wappen und manche Sportler präsentieren voller Stolz Tattoos von ihren „Babies“ – das ist Kettlebell. Aber nicht jede Kugel ist gleich! Die positiven Aspekte in Bezug auf die körperliche Fitness sprechen für sich, aber welchem Lager gehörst du an; Hardstyle oder Girevoy?

 

Rückblick

Im ersten Teil des Beitrages haben wir uns mit der Herkunft und der Geschichte der Kettlebell beschäftigt und erfahren, dass die Kugelhantel einer langen sportlichen Tradition entstammt. Von den Jahrmärkten Europas über die Verwendung beim Militär hin zu Turnerriegen in Deutschland. Heute ist die Kettlebell aus den Fitnessstudios, Crossfit-Hallen und umfunktionierten Garagen nicht mehr weg zu denken.

Nachdem sich der Kettlebellsport, mit dem 1998 erschienen Artikel Vodka, Picklle Juice, Kettlebell Lifting and other Russian Pasttimes in dem Magazin Milo: Journal for Serious Strength Athletes auf den Siegeszug durch die amerikanische Fitnessbrache machte und nicht ganz klar war wer für diesen verantwortlich war, entstanden zwei Lager. Die einen betrachteten Pavel Tsatsouline, Autor des Artikels und Vater der RCK (Russian Kettlebell Challenge), als den Verantwortlichen. Andere jedoch halten Valery Federenko für die treibende Kraft hinter der Verbreitung dieser „neuen“ Sportart. Aus dieser Uneinigkeit heraus entstanden die beiden Lager; Girevoy (Softstyle) und Hardstyle. Hardstyle wurde von Pavel Tsatsouline geprägt und Girevoy durch Valery Federenko.

Eine Klärung dieser Uneinigkeit erweist sich jedoch etwas schwierig, denn wirft man einen Blick auf die Jahreszahlen wird ersichtlich, dass Pavel Tsatsouline im Jahr 1998 in die USA ging, um dort als Trainier und Autor zu arbeiten. Valery Federenko zog nur ein Jahr später aus, um seinen geliebten Sport mit der Welt zu teilen. Der Blick auf die Zeittafel alleine kann daher nicht als einziger Faktor zur Klärung dieser Kontroverse dienen. Mit viel Vorsicht könnte man behaupten, dass es der Hintergrund beider Männer ist, der für die Prägung der unterschiedlichen Stile verantwortlich war. Der militärische Hintergrund und die Ausbildung von Spezialeinheiten prägte die Arbeit von Pavel Tsatsouline und bei Valery Federenko war es der sportliche Aspekt. Bevor jedoch weitere Mutmaßungen in den Raum gestellt werden, lasst uns einfach einen Blick auf die Stile werfen.

Girevoy (Softstyle)

Der Name Softstyle kommt daher, dass die Bewegungen eher weich und sanft wirken. Man darf sich aber auf keinen Fall von dem Namen täuschen lassen, denn soft kann sehr hart sein. Es wird mit Competition Kettlebells gearbeitet. Diese Kettlebells weisen eine einheitliche Größe auf und haben einen vergleichbar dünnen Griff. Das Hauptaugenmerk bei diesem Stil liegt auf Effizienz und Ausdauer. Es wird versucht über einen vorher definierten Zeitrahmen (meist zehn Minuten) möglichst viele Wiederholungen durchzuführen. Es ist daher notwendig, dass mit sauberer und kraftsparender Technik gearbeitet wird. Im Gegensatz zu dem Training im Hardstyle, werden nie 2 Hände an die Kugel gelegt. Die Übungen werden mit jeweils einem Arm durchgeführt und die Kugel darf innerhalb der festgelegten Zeit nicht abgestellt werden.

 

 

 

 

 

 

 

Hardstyle

Der Hardstyle unterscheidet sich vom Girevoy (Softstyle) dadurch, dass der Fokus hier auf einer hohen Intensität und weniger Wiederholungen liegt. Anhänger dieses Stiles möchten ihren Kraftoutput nicht über einen längeren Zeitraum effizient konservieren, sondern diesen verbessern. Die Verbesserung des Kraftoutputs soll durch ein Gleichgewicht zwischen Spannung und Entspannung erreicht werden. Dieses Prinzip der Spannung und Entspannung geht auf Angriffstechniken in der Kampfkunst zurück. Bei der Nahkampfausbildung von Spezialeinheiten spielte der „hard style of fighting“ eine große Rolle und um diese zu unterstützen konzentrierte man sich auch bei dem Training mit den Kugelhantel auf das Prinzip des „Hard Styles“. In den Trainingseinheiten steht daher oft die explosive Schnellkraft im Fokus.

 

Fazit

Welcher der beiden großartigen Athleten nun wirklich für die Verbreitung des Kettlebellsports verantwortlich war, ist sehr schwer nachzuvollziehen. Die Entstehung und Prägung der verschiedenen Stile kann mit den unterschiedlichen Werdegängen beider Männer in Verbindung gebracht werden. Während Pavel Tsatsouline an der Ausbildung von Spezialeinheiten mitwirkte und den Hardstyle als Trainingskonzept für die Optimierung der Kraft entwickelte, verbreitete Valery Federenko die sportliche Variante des Kettlebelltrainings. Für welchen Stil man sich entscheidet hängt daher ganz von den eigenen Zielen und Präferenzen ab. Die Kettlebell ist in jeden Fall ein großartiges Trainingstool für den Aufbau körperlicher Fitness und einen Versuch wert.

 

 

 

 

Quelle:

Pavel, Tsatsoulie, 2012: Kettlebell-Training: Das Fitnessgeheimnis der russischen Spezialeinheiten, riva Verlag

Dr. Till, Sukopp, 2014: Das große Kettlebell-Trainingsbuch, riva Verlag

https://www.fitforbeach.de/hintergrund-kettlebell/

http://heartcore-athletics.com/hardstyle-girevoy-crossfit-welcher-kettlebell-style-ist-fuer-dich-der-beste/

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