Die Atmung

„Geist und Atem entspringen derselben Quelle. Denken ist das Wesen des Geistes, der “Ich”-Gedanke, das Ego, ist der erste Gedanke. Ego und Atem haben also denselben Ursprung. Daher ist der Atem still, sobald der Geist bewegungslos wird, und umgekehrt wird der Geist still, sobald der Atem beherrscht ist.“ (Ramana Maharshi).

Das Beherrschen des Atems oder auch die bewusste Wahrnehmung des Atems sollte zu den grundlegenden Fähigkeiten eines jeden Menschen gehören. Jedoch scheint in unserer Zeit und Gesellschaft eher das Oberflächliche eine Rolle zu spielen; schöne Körper, enge Yogapants und perfekte Inszenierungen auf sozialen Medien. Mit bewusster und gesunder Atmung gewinnt man(n) / Frau halt keinen Preis.

Der Zusammenhang zwischen gesunder Atmung und einem gesunden Körper ist vielen Menschen bewusst, aber einen aktiven Beitrag leisten nur sehr wenige, obwohl das Erlernen gesunder Atemmuster Sportlern helfen kann ihre Leistungen zu verbessern. Ein weiteres Thema ist Stress. Stress und Atmung sind ebenfalls eng miteinander verbunden, aber dieser Beziehung wird immer noch zu wenig Beachtung geschenkt. Warum? Das für die Atmung zuständige Organ ist die Lunge. Die wichtigste Funktion ist es den Gasaustausch sicherzustellen, also das Blut und damit unseren Körper mit Sauerstoff (O2) zu versorgen und Kohlendioxid (CO2) aus dem Blut abzutransportieren. Sauerstoff rein, Kohlendioxid raus. Dies geschieht in den meisten Fällen ganz automatisch und wird durch das Atemzentrum im Hirn geregelt.

Das Atemzentrum erkennt auch in welcher Situation sich unser Körper befindet. D.h. es spürt, ob wir uns in einer Stresssituation befinden, auf der Couch liegen oder einen Marathon laufen. Durch Nervenleitbahnen und Messstellen im Körper weiß das Atemzentrum genau, wie viel Sauerstoff unser Körper benötigt und wie viel Kohlendioxid abgebaut werden muss. Bei erhöhter Aktivität oder Stress steigt die Atemfrequenz und sinkt im Ruhezustand wieder ab.

„Richtiges Atmen“ bedeutet also den Körper mit genügend Sauerstoff zu versorgen und das Kohlendioxid aus dem Körper zu bekommen. Des weitern sollte der Sauerstoff ohne große Anstrengung durch den Körper fliesen können. Im Idealfall sollte der Atem im Bauch, Becken und auch Rücken spürbar sein. Da die Atmung unbewusst passiert und sich den individuellen Bedingungen anpasst, atmen viele Menschen oberflächlich und verkrampft. Denn andauernder Stress und Ängste können zu einer Atemfrequenz führen, die eigentlich nur in Fluchtsituationen erforderlich ist. Und hier liegt das Problem. Wer immer wieder zu schnell und oberflächlich atmet, versorgt seinen Körper einerseits mit weniger Sauerstoff, während andererseits auch zu wenig Kohlendioxid abgeatmet wird. Die Muskelanspannung steigt und der Körper nimmt weniger Schmerzreize wahr.

Dieser Mechanismus ist in Ausnahmesituationen zwar hilfreich. Bei normalen Lebensumständen gerät der Körper jedoch auf Dauer in eine erschöpfende Mangelsituation. Und eine Mangelsituation ist weder für den Alltag, noch für Situationen, in denen der Körper an das Maximum seiner Leistungsfähigkeit geht, wünschenswert. Optimal mit Sauerstoff angereichertes Blut bleibt stets flüssig und kann schnell jede Zelle des Körpers erreichen. Auf seinem Rückweg kann es Gifte und Eiweiße mitnehmen und ausleiten. Heilungsprozesse werden so bestmöglich unterstützt.

Ist das Blut dagegen mit zu wenig Sauerstoff angereichert, kleben die Blutkörperchen zusammen und stauen sich mit Eiweißen zusammen im Lymphsystem. Die natürlichen Transportmechanismen werden gestört. Gifte können nicht abtransportiert werden und Mineralstoffe erreichen ihren Bestimmungsort nicht. Diese Art Stauung kann durch einen aktiven und bewussten Lebensstil aufgelöst werden und der Körper kommt gegen die alltäglichen Belastungen (Umweltgifte, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel) besser an.

Die Versorgung des ganzen Körpers mit ausreichend Sauerstoff sollte daher oberste Priorität im Alltag und auch beim Sport haben. Eine optimale Versorgung führt zu erhöhter Leistung und hilft uns Stress und Mangelerscheinungen zu bewältigen.

 

 

 

 

 

Quellen:

Dr. Corwin Samuel West, 1981: The Golden Seven Plus One – Conquer Disease with Eight Keys to Health, Beauty, and Peace,  Samuel Publishing Co

Leslie Kaminoff, Amy Matthews, 2013: Yoga Anatomie-Ihr Begleiter durch die Asanas, Bewegungen und Atemtechniken, riva Verlag

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