Beweglichkeit

Was ist Beweglichkeit?

Die körperliche Fitness eines Menschen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben der Ausdauer, Kraft und Koordination zählt auch die Beweglichkeit zu einer wichtigen Komponente im komplexen System der körperlichen Leistungsfähigkeit. Die Beweglichkeit kann durch zahlreiche Möglichkeiten werden. Doch aufgrund des Umfangs müssen wir in einem separaten Artikel auf die verschiedenen Methoden eingehen. Doch was ist Beweglichkeit?  

„Bewegung macht beweglich – und Beweglichkeit kann manches in Bewegung setzten.“

Diese Aussage von dem deutschen Theologen Paul Haschek beinhaltet eine tiefe Botschaft, aber zeigt auch das Offensichtliche; Beweglichkeit entsteht durch Bewegung, die durch Beweglichkeit wiederum verbessert wird. Doch wie definieren wir Beweglichkeit? Welche Rolle spielt Beweglichkeit für den Bewegungsapparat? Und vor allem; Wie werden wir beweglicher?

Im Allgemeinen versteht man unter Beweglichkeit den Bewegungsumfang eines Gelenks oder mehrere Gelenke. Sehr vereinfacht ausgedrückt bezeichnet Beweglichkeit die Fähigkeit, wie weit wir uns strecken, beugen und drehen können. Den maximalen Ausprägungsgrad besitzen wir Menschen im Alter von 1o bis 12 Jahren. Mit zunehmender Alter reduziert sich die Beweglichkeit. Aus diesem Grund spielt Beweglichkeitstraining vor allem im Erwachsenenalter eine wichtige Rolle. In seiner Einführung in die Trainingslehre ergänzt Stephan Turbanski diese etwas allgemeine Definition wie folgt:

„Eigenschaft, Bewegungen mit der erforderlichen bzw. optimalen Amplitude auszuführen, welche die durch die Gelenksysteme ermöglicht wird.“

Und;

„Fähigkeit, Bewegungen mit großer Schwingungsweite selbst oder unter dem unterstützenden Einfluss äußerer Kräfte in einem oder in mehreren Gelenken auszuführen zu können.“

Darüber hinaus liefert uns Turbanski Synonymie, die im allgemeinen Sprachgebrauch gebräuchlich sind. Dazu zählen u.a. Gelenkigkeit und Flexibilität. Aufgrund der Kürze des Artikels kann nicht auf die feinen terminologischen Feinheiten (Region, Kontext, Fachbereich) eingegangen werden. Der Autor bittet das zu entschuldigen. Es kann jedoch hinzugefügt werden, dass Gelenkigkeit und Flexibilität eher als Unterbegriff der Beweglichkeit verstanden werden können. Flexibilität beschreibt im klassischen Sinne die Fähigkeit des Muskels sich zu längen. Bei einer eingeschränkten Beweglichkeit spricht man häufig von einer „verkürzten” Muskulatur. Was in diesem Kontext jedoch nicht ganz richtig ist. Die Länge des Muskels wird von propriozeptiven Nervenendigungen im Muskel festgelegt und die Einstellungen werden im Nervensystem durch frühere Erfahrungen gesetzt. Die Sinneszellen benachrichtigen das Gehirn, wenn der Endgrad einer bestimmten Gelenksbewegung erreicht ist. Falls der maximal mögliche Bewegungsumfang nicht ausgereizt wird, sinkt die Toleranz dieser Rezeptoren gegenüber dem Dehnreiz. D.h. sie springen schon vor dem erreichen des Endgrades an und verhindern eine Extension der Bewegung durch Schmerzsignale und vermindern so die Beweglichkeit.

Wesentliche Einflussgrößen der Beweglichkeit sind; Gelenkstrukturen (Anatomie) und Dehnfähigkeit der Muskulatur. Von der elastischen Dehnfähigkeit ist es abhängig, wie weit der anatomische Aktionsradius ausgenutzt werden kann. Durch Training kann (fast) ausschließlich die tendomuskuläre Dehnfähigkeit beeinflusst werden und nicht die anatomische Gelenkstruktur. Die anatomische Genlenkstruktur ist bei jedem von uns etwas anders und kann von limitierender Bedeutung sein.

Strukturierungsansätze der Beweglichkeit erfolgen meist über die Sportartspezifik (allgemeine vs. spezielle Beweglichkeit), muskulären Aktionsmodus (aktive vs. passive Beweglichkeit) und muskuläre Belastungsform (statisch vs. dynamische Beweglichkeit). Wir möchten an dieser Stelle genauer auf den muskulären Aktionsmodus und die muskuläre Belastungsform eingehen. Passive Beweglichkeit gilt als Fähigkeit, durch die Einwirkung äußerer Kräfte (Partner, Hilfsmittel) einen möglichst großen Gelenkwinkel einzunehmen. Die aktive Beweglichkeit hingegen beschreibt die Fähigkeit, durch Kontraktion (zusammenziehen) des Agonisten einen möglichst großen Gelenkwinkel zu erzielen. Unter statischer Beweglichkeit versteht man die Fähigkeit einen größtmöglichen Gelenkwinkel einzunehmen und diesen dann zu halten. Dynamische Beweglichkeit hingegen beschreibt die kurzfristige, dynamische Einnahme eines größtmöglichen Gelenkwinkels durch Bewegung (nachfedern). Grundsätzlich gilt, dass die passive und dynamische Beweglichkeit größer ist als die aktive und statische Beweglichkeit.

 

Welche Rolle spielt Beweglichkeit?

Wie oben bereits angerissen ist die Beweglichkeit eine Komponente der körperlichen Fitness. Knochen, Bänder, Sehnen und Muskeln sind zu einem dynamischen Ganzen verwoben und daher steht auch die Beweglichkeit nicht isoliert. Verkürzte Muskulatur führt zu einem Verlust der Bewegungsfreiheit und unzureichende Beweglichkeit kann im Zusammenhang mit Muskel- und Gelenksschmerzen gesehen werden. Können sich Muskeln nicht mehr effizient kontrahieren und entspannen, vermindern sich darüber hinaus auch die Leistungsfähigkeit und Koordination. Schwierigkeiten beim bücken sind ein häufiges Zeichen eingeschränkter Beweglichkeit.

Aktiven Einfluss hat die Beweglichkeit auf die Bewegungsamplitude (Bewegungsumfang), die Muskellänge, den Muskeltonus und die Regenerationsfähigkeit. Der Bewegungsumfang wiederum kann sich positiv auf den Ausnutzungsgrad der muskulären Kraftleistung auswirken (verlängerte Beschleunigungswege). Auch in Bezug auf Schnelligkeit und Koordination bringt Beweglichkeit positive Wirkungen mit sich. Eingeschränkte Beweglichkeit wirkt sich negative auf Schnelligkeit aus, da Bewegungen nur mit maximaler Geschwindigkeit durchgeführt werden können, wenn Endstellungen der Gelenkwinkel nicht erreicht werden. Ebenfalls spielt Beweglichkeit eine Rolle beim erlernen neuer Bewegungen und motorischer Fähigkeiten. Dies gilt vor allem im Bereich der Gymnastik und Akrobatik.

Im nächsten Artikel zu diesem Thema werden wir genauer auf die Rolle der Beweglichkeit eingehen und uns dem Beweglichkeitstraining widmen. Danke für eure Zeit.

 

 

 

 

Nachtrag des Autors: Die Betrachtung des Themas Beweglichkeit findet hier auf einer sehr oberflächlichen Ebene statt. Eine erweiterte Betrachtung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen und wird hier bewusst nicht angestrebt. Dieser Artikel dient ausschließlich der Heranführung an das Thema und sollte auch so verstanden werden.

 

Quelle:

Turbanski, S., 2005: Einführung in die Traininglehre, Institut für Sportwissenschaften, Universität Frankfurt am Main

Martin, D., Carl, K., Lehnertz, K., 1993: Handbuch Trainingslehre, Schorndorf: Hofmann

Walker, B., 2012: Anatomie des Stretchings – Mit der richtigen Dehnung zu mehr Beweglichkeit, München: riva Verlag

Kaminoff, L., Matthews, A., 2013: Yoga Anatomie – Ihr Begleiter durch die Asanas, Bewegungen und Atemtechniken, München: riva Verlag

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